Welche Formen und Richtungen gibt es?


Psychische Erkrankungen lassen sich auf unbewusste Impulse und Konflikte zurückführen, die in der Kindheit verdrängt wurden. In der Therapie werden diese Gefühle bewußt gemacht und der Widerstand, die Abwehrmechanismen gegen diese oft
schmerzvolle Einsicht bearbeitet. Wichtigstes Werkzeug ist die Deutung der Assoziationen und der aus der Kindheit stammenden Gefühle und Fantasien, die auf den / die TherapeuIn übertragen werden.

Psychoanalytisch orientierte Therapierichtungen sind:
Psychoanalyse und Gruppenpsychoanalyse nach Freud, die mit Regression (Zurückgehen zu den kindlichen Gefühlen), Widerstand und Übertragung arbeiten.
Individualpsychologie nach Adler, die Minderwertigkeitsgefühle durch Förderung des angeborenen Potenzials an Gemeinschaftsgefühl beheben will.
Analytische Psychologie nach Jung, deren Ziel die Individuation, die Selbstwerdung des Menschen durch Integrieren der dunklen Persönlichkeitsanteile (Schatten) ist.

Analytische Psychologie
C. G. Jung erweiterte Freuds Konzept des persönlichen Unbewussten um die Annahme eines überpersönlichen („kollektiven“) Unbewussten. Dieses kollektiv Unbewusste umfasst Vorstellungsbilder („Archetypen“) die allen Personen gemein sind.
Ziel ist die Integration des „Schattens“, d.h. der dunklen Anteile der Persönlichkeit, und die „Individuation“, also die Verwirklichung des Menschen in seiner Einzigartigkeit. Um die Sprache des Unbewussten sichtbar zu machen, werden Träume, Fantasien, Symbolhaftes, kreative Medien (Malen, Schreiben, Musik etc.) bzw. Märchen, Mythen und Themen aus der Kunst zur Erweiterung und Verdichtung von Erlebnisinhalten der/des AnalysandIn) herangezogen. Auch die „Aktive Imagination“, eine von Jung ausgearbeitete Tagtraumtechnik, wird zur Förderung des Dialogs zwischen Ich und Unbewusstem eingesetzt.

Autogene Psychotherapie
Sie wurde in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts von Johannes Heinrich Schultz als tiefenpsychologisch orientiertes Verfahren entwickelt. Der in der Grundstufe erlernte Entspannungs- und Ruhezustand hat viele positive Wirkungen auf Körper und Seele. Darauf aufbauend erfolgt in der Mittelstufe die Arbeit mit problembesetzten Gedanken, Gefühlen und Bildern. Persönliche Vorsatzformeln fördern die Selbstdefinition und Persönlichkeitsentwicklung. In der Oberstufe werden unbewusste Konflikte, Gefühle und schwierige Situationen bearbeitet. Bisher unbekannte Persönlichkeitspotentiale können entfaltet werden.

Daseinsanalyse
Daseinsanalytische Psychotherapie versteht die seelischen Leiden als Erscheinung von Konflikten des Existierens. Das therapeutische Ziel ist optimales Sich-offenhalten-Können für den jeweiligen Weltbereich, Ermöglichung freien Existierens durch Freilegung (Analyse) des Daseins und seiner Dynamik, in der es um Sein oder Nichtsein, Leben und Tod geht, aber auch um unser eigenes Selbstsein sowie das Sorge tragen für uns selbst, für andere (Mitsein) wie auch unsere Umwelt.
Medium ist das analytische Gespräch, das vertiefte Einsicht und Auseinandersetzung mit der eigenen Existenzweise mit Ängsten, Wünschen und abgewehrten Bereichen ermöglichen soll.
Technisch-praktisch ist die Daseinsanalyse eine daseinsgemäße Weiterentwicklung der Grundelemente klassischer Psychoanalyse.

Dynamische Gruppenpsychotherapie
Das Ziel ist, mittels einer möglichst optimalen Organisation der Gruppe dem einzelnen individuelle Hilfestellung zu bieten. Es kommen dabei Techniken und kreative Methoden zur Anwendung, welche die Prozesshaftigkeit der Gruppe erhalten und erweitern.

Existenzanalyse (nach Frankl)
Die Existenzanalyse ist ein Verfahren zur Behandlung seelischer Belastungen und Störungen. Als Behandlungsziel wird ein Leben mit innerer Zustimmung zum eigenen Handeln gesehen.

Existenzanalyse und Logotherapie
Schwerpunkt dieser Schule liegt auf dem Leiden am fehlenden Sinn (griech. Logos) im Leben. Mit Hilfe des Therapeuten/der Therapeutin kann der/die PatientIn neue Sinnmöglichkeiten finden. Durch die Technik der „Paradoxen Intervention“ können Druck und Erwartungsangst reduziert bzw. abgebaut werden. Die Logotherapie ist die konkrete Anwendung der Existenzanalyse. Sie bietet Hilfe bei der Realisierung einer sinnvollen Lebensgestaltung.

Gestalttheoretische Psychotherapie (nach Perls)

Gestalttherapeuten arbeiten im „Hier und Jetzt“ mit dem gegenwärtigen Bewusstsein der KlientInnen. Die krankmachende Ursache wird darin gesehen, dass in der Vergangenheit eine Erfahrung (Gestalt) nicht abgeschlossen werden konnte. In der Therapie identifiziert sich der/die KlientIn mit den verschiedenen Aspekten seiner/ ihrer Konflikte und findet eine neue Lösung.

Gruppenpsychoanalyse
Ziel ist die Analyse des individuellen verbalen und emotionalen Ausdrucks gegen-über der/dem GruppenleiterIn und den anderen TeilnehmerInnen. Der/die Gruppen-leiterIn versucht durch die Analyse von intrapsychischen wie auch von in der Gruppe wirksamen Phänomenen (Widerstand, Übertragung, Regression) unbewusste hinderliche Problemmuster der TeilnehmerInnen bewusst zu machen. Die Gruppenmitglieder führen ein „freies Gruppengespräch“. Die Schwerpunkte variieren je nach gruppenanalytischem Ansatz.

Hypnosepsychotherapie
Hypnosepsychotherapie beinhaltet psychotherapeutische (pth.) Gespräche und die pth. Arbeit mit hypnotischer Trance. Trance ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und unterstützt Therapieprozesse. Es gibt Ich-stärkende, hypnoanalytische und lösungsorientierte Arbeitsweisen. Hypnosetherapie führt z.B. zu vertiefter Selbst-erkenntnis, innerer Gelassenheit und Selbstsicherheit. Sie hilft beim Aufarbeiten belastender Erlebnisse, beim Finden neuer Verhaltensmöglichkeiten und Problem-lösungen.

Individualpsychologie
Besondere Beachtung wird der Lebensleitlinie, dem Lebensstil eines Menschen geschenkt, worunter die spezifische Art eines Menschen, Schwächen und Unsicherheiten zu kompensieren, verstanden wird. Die therapeutische Praxis ist final statt kausal ausgerichtet, d.h., es wird mehr das „Wozu“ als das „Warum“ seelischer Vorgänge herausgearbeitet. Dabei werden alle Äußerungen, wie z.B. Gestik, Träume etc., beachtet und als ein Teil der ganzen Person mit ihrem spezifischen Ausdruck begriffen. Die Therapie verläuft in zwei Phasen, einer analytischen und einer synthetischen/integrierenden). Die/der TherapeutIn bewahrt eine „gleichmütige Hilfs-bereitschaft“ und ein „wohlwollendes Zuschauen“ bzw. ermutigt in der zweiten Phase den Klienten zu mehr Aktivität.

Integrative Gestalttherapie (nach Petzold)
Sie integriert psychoanalytische, phänomenologische, existenzialistische, huma-nistische, körperpsychotherapeutische Elemente mit fernöstlichen Philosophien. Neben dem „Hier und Jetzt“ findet auch das „Dort und Dann“ Berücksichtigung. Charakteristisch ist der kombinierte Einsatz von kreativen Medien (z.B. Malen, Formen mit Ton, Klangproduktion) mit Körperarbeit.

Integrative Therapie (IT)
Durch mehrperspektivische Zugangsweisen werden multimethodische Behandlungswege ermöglicht. Neben verbalen Austausch sind in der Therapie auch Ansätze nonverbaler Kommunikation sowie kreativer Methoden, Techniken und Medien miteinbezogen. Die Integrative Therapie findet Anwendung in der Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie sowie in der Supervision.

Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP)
Erfolgt auf der Basis von psychotherapeutischen Gesprächen und der therapeutischen Anleitung zum Erleben innerer Bilder (Imagination). Dabei steigen zu verschiedenen Motiven wie „Blume“, „Wiese“, „Bach“ … vor dem inneren Auge Bilder auf. Mit der Zeit entstehen ganze Szenen. Neue Möglichkeiten des Wahrnehmens, Fühlens oder Handelns tun sich auf. Das Erschließen der inneren Bilderwelt ermöglicht Zusammenhänge zu verstehen, aus gelernten Beschränkungen herauszuwachsen und innere Potentiale zu entdecken.

Klientenzentrierte Psychotherapie (nach Rogers)
Dem klientenzentrierten Ansatz liegt die Überzeugung zugrunde, dass der Mensch über ein ihm innewohnendes Potential zur Selbstverwirklichung verfügt. In der therapeutischen Praxis gilt es, die Spaltung zwischen Selbstkonzept und aktueller Erfahrung aufzuheben, die sich in Leidenszuständen und Störungen niederschlägt. Für die/den PsychotherapeutIn sind folgende drei Grundeinstellungen wichtiger als konkrete technische Interventionen: Empathie (nicht wertendes, einfühlendes Verstehen), Akzeptanz (unbedingte Wertschätzung) und Kongruenz (Echtheit). Diese „notwendigen und hinreichenden Bedingungen“ ermöglichen es dem Klienten, mehr Vertrauen zu sich selbst zu gewinnen, eine eigene innere Bewertungsinstanz zu entwickeln und zunehmend offen für Veränderungen zu werden. In der Verwirklichung des klientenzentrierten Ansatzes bleibt ein weiter Rahmen zur Integration von anderen Elementen (Übungen, Berührung, Spiel etc).

Konzentrative Bewegungstherapie
Ausgehend von der Theorie, dass sich Wahrnehmung zusammensetzt aus Sinnesempfindung und Erfahrung, geht die Konzentrative Bewegungstherapie den Weg der bewussten Körperwahrnehmung im „Hier und Jetzt“ – auf dem Hintergrund der individuellen Lebens- und Lerngeschichte. Gesunde Anteile und Störungen werden erlebbar, in ihrer Bedeutung verstehbar und damit der psychothera-peutischen Bearbeitung zugänglich. Die therapeutische Arbeit entsteht im Zusammenwirken von Handeln zur körperlichen Wahrnehmung, Interaktion und Gespräch, in dem das Erlebte ausgesprochen, seine Bedeutung reflektiert und durch Assoziationen vertieft wird.

Personzentrierte Psychotherapie
Inhaltlich gleicht die Personenzentrierte Psychotherapie der Klintenzentrierten Psychotherapie (siehe oben). Stärker ausgeprägt ist die persönliche Begegnung zwischen PsychotherapeutIn und KlientIn.

Psychoanalyse (nach Freud)
Freud gliedert das psychische Erleben in die Bereiche Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstsein. Große Bedeutung kommt auch den Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Verleugnung, Projektion etc. zu, die in der frühen Kindheit gegen bedrohliche Erlebnisinhalte aufgebaut werden. Ziel dieser Behandlung ist es, Einschränkungen im Erleben der/s PatientIn dadurch zu beheben, das Unbewusstes bewusst gemacht wird. Dies geschieht vor allem durch die „freie“ Assoziation“ (alles, was der/m KlientIn in den Sinn kommt, soll geäußert werden) und durch die Analyse der auftauchenden Übertragungsphänomene. Die/der AnalytikerIn nimmt die Äußerungen möglichst unvoreingenommen und nicht wertend wahr und hilft, diese durch Deutung ihres verborgenen Sinnes zu entschlüsseln.

Psychodrama (nach Moreno)
Diese Therapiemethode leitet sich vom Rollenspiel ab. Als zentral für das Auftreten psychischer Störungen wird das Fehlen oder nicht situationsgerechte Einsetzen von Rollen angesehen. Durch verschiedene Spielformen werden Alternativen im Erlebnis- und Verhaltensrepertoire entwickelt.

Systemische Familientherapie (nach Satir u.a.)
Diese Therapieform setzt an bei den krankmachenden Kommunikationsstilen innerhalb eines Familiensystems. Der psychisch kranke Mensch wird als Symptomträger bezeichnet, seine Störung wird als Manifestation eines gestörten Systems gesehen.

Familientherapeuten arbeiten unter anderem mit Familienrekonstruktion und Aufstellungen.

Transaktionsanalyse (nach Berne)
Transaktionen sind Mitteilungen einer Person an eine andere und deren Reaktionen darauf. Sie werden aus bestimmten Ich-Zuständen heraus gesandt und beruhen auf Grundeinstellungen des „O.K.-Seins“ bw. „Nicht-O.K.-Seins“. Neben diesen Transaktionen wird auch der unbewusste Lebensplan analysiert.

Verhaltenstherapie
Zentraler Ansatzpunkt ist das Verhalten und Handeln des Patienten/der Patientin. Menschliches Verhalten wurde einmal gelernt und kann daher auch wieder umgelernt werden, wenn es sich als krankmachend erwiesen hat. Der/die TherapeutIn setzt bestimmte Techniken ein, durch die erwünschtes Verhalten neu gelernt und/oder verstärkt werden kann und unerwünschte Gefühle abgebaut werden können. Außerdem wird ein besseres Problemlösungsverhalten trainiert und nicht-zielführendes Denken umstrukturiert.

 

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